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Sind wir hier wirklich in Griechenland?
Limnionas Beach
Wir wollen gemütlich Richtung Süden fahren und halten uns in Istiea links, um auf der Strasse Nr.77 zu bleiben. Bei Ellinika habe ich mir einen POI gesetzt. Also fahre ich links die schmale Strasse hinunter. In Google Earth habe ich ein paar wunderschöne Fotos vom Strand und der gegenüberliegenden Insel gesehen. Plötzlich führt die Strasse sehr steil und schnurgerade Richtung Strand. Kann ich da unten überhaupt wenden?

Ich stoppe sofort. Zu Fuss gehen wir an den Strand und sind frustriert. Wo um Gottes willen ist der schöne Sandstrand hingekommen? Es sieht so aus, als ob das Meer den ganzen Sand und ein Teil der Strasse weggeschwemmt hat. Das sehenswerteste hier ist die gegenüberliegende Insel. Bin ich froh, nicht noch weiter in diese Sackgasse gefahren zu sein.
Bevor wir zurück auf die Hauptstrasse fahren, versuchen wir’s bei der nächsten Strasse links. Diese Strasse ist sehr eng und wir können nur hoffen, das jetzt keiner entgegen kommt.
Dort finden wir einen Kiesstrand. Leider hat es kaum Parkmöglichkeiten. Aber für unseren kleinen „Stig“ reicht’s gerade noch. Der Strand ist nichts besonderes aber wenigstens können wir hier ausgiebig schwimmen. Wir fahren zurück auf die Hauptstrasse bis nach Vassilika.

Ab hier beginnt eine der schönsten Touren dieser Griechenland-Reise. In einem Kieferwald führt die Strasse den Berg hinauf. Bei Papades geht’s weiter durch Wiesen und Felder und immer wieder Wald, Wald soweit das Auge reicht. Sind wir hier wirklich in Griechenland? Oder haben wir uns bei der letzten Verzweigung verfahren und sind in Norwegen gelandet.

Nun wissen wir, woher die Griechen das Harz für den Retsina haben. Der Retsina ist ein geharzter Wein, der überwiegend aus weißen Trauben hergestellt wird. Früher wurden die Holzfässer mit dem Harz der Aleppokiefer abgedichtet. Durch den Harz nimmt der Wein seinen unverwechselbaren Geschmack an. Heute wird ihm das Harzaroma direkt zugegeben. Jeder, der eine Griechenland-Tour macht, muss den Retsina versuchen. Er ist ein wenig "gewöhnungsbedürftig", aber nach zwei bis drei Gläsern hat man sich an den eigentümlichen Geschmack gewöhnt. Ausserdem ist der Retsina sehr bekömmlich und man hat am nächsten Tag keinen "dicken Schädel".
Ab Kirinthos verläuft die Strasse entlang eines kleinen Bachs. Links und rechts dieser Strasse hat es uralte Laubbäume. Hier denkt man, irgendwo in Mitteleuropa zu sein.
In Prokopi sind alle gesättigt von den vielen Eindrücken und wir suchen eine Parkmöglichkeit. Prokopi soll ein griechischer Wallfahrtsort sein. Die Pilger kommen hier her, um den heiligen Johannes von Euböa, eine unverweste Leiche mit Goldmaske, zu verehren. Ich muss gestehen, dass habe ich erst erfahren, als wir wieder zuhause waren. Uns sind die vielen Nüsse, die hier verkauft werden, aufgefallen. Erdnüsse, Wallnüsse, Haselnüsse, Mandeln und Nüsse, die wir noch nie gesehen haben.

Weiter hat es eine Bäckerei mit Brot und anderem Gebäck, bei denen wir uns wiedereinmal nicht zurückhalten können. Viel zu lecker ist das Angebot.

Wenigstens können wir uns beim Grill-Meister am Pita-Stand zurückhalten und haben nur ein Pita mit Souvláki genommen.
Gestärkt nehmen wir die Fahrt wieder auf. Kurz nach Prokopi wird die Strasse etwas schmäler und das Tal verjüngt sich. Hinten im Tal windet sich die Strasse mit ein paar Serpentinen den Berg hinauf. Es kommt uns vor als wären wir im Appenzeller Vorderland. Auf der Südseite, wo uns die Strasse talwärts führt, ändert sich das drastisch. Innerhalb nur weniger Minuten Fahrt befinden wir uns wieder in Griechenland. Als wir uns wieder auf Meereshöhe befinden, haben wir keine Lust, irgend wo ans Meer zu fahren, um einen Platz für die Nacht zu suchen. Ich weiss nicht, sind wir von dieser Strecke über die Berge immer noch überwältigt oder einfach nur erschöpft. Mir ist nur eines bewusst: Wir haben diese wunderschöne Strecke viel zu schnell durchfahren. Wieso haben wir nicht irgendwo angehalten und übernachtet.

Kurz nach Halkida, (Chalkida) besprechen wir, in welche Richtung wir jetzt fahren sollen. Von diesem Küstenabschnitt habe ich keine Übernachtungs-Informationen. Wir beschliessen die ca. 80km bis zur Bucht, die mir Roger angegeben hat, durchzufahren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es uns dort gefällt. Bis zur Abzweigung in Lepoura hat es recht viel Verkehr. Danach führt uns die spärlich befahrene Strasse schnurgerade durch Felder bis nach Almiropotamos. Die Strasse ist ziemlich neu und dementsprechend breit angelegt. Also kommen wir ziemlich flott voran. So flott, dass ich die Kreuzung zur Limnionas Beach, die mir Roger angegeben hat, prompt überfahre.
Wir befolgen den Rat von Roger und fahren nicht durch den kleinen Ort Tsakaioi sondern biegen vorher rechts Richtung Beach ab. Gespannt schauen wir auf die schmale, steile Strasse, die uns zur Limnionas Beach führt. Und dann sind wir überwältigt.

Es ist genau so wie Roger es beschrieben hat. Drei Tavernen, von denen eine ein wenig zurückversetzt ist. Hinten auf einer kleinen Wiese stehen zwei Wohnmobile, zu denen auch wir uns stellen.
Diesen Apéro haben wir uns verdient.
Danach wandern wir von einer Taverne zur anderen. Das Dumme ist nur, die haben alle geschlossen. Wenigsten finde ich die Dusche hinter den Palmen, die Roger beschrieben hat. Also wird erst einmal kräftig geduscht. Danach sende ich Roger eine SMS. Ich muss nicht lange auf eine Antwort warten. Wir sollen uns nur gedulden, eine dieser Tavernen macht bestimmt noch auf. Dem ist leider nicht so. Kurz nach Acht gibt’s Spagetti in Gobbo’s Taverne.